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Gemeinde Am Großen Bruch

Klosterkirche St. Pankratius

Telefon (039403) 9110 über Verbandsgemeinde Westliche Börde
Telefax (039403) 216 über Verbandsgemeinde Westliche Börde

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Storchennest in Wulferstedt

 

 

 Gemeinde Am Großen Bruch

Lage

Die Gemeinde Am Großen Bruch besteht aus den Ortsteilen Gunsleben, Hamersleben, Neuwegersleben und Wulferstedt. Sie befindet sich im Landkreis Börde unweit von Oschersleben sowie der nahe gelegenen Landesgrenze zum Bundesland Niedersachsen mit Autobahnanbindung. Die Stadt Halberstadt im angrenzenden Harzkreis liegt ungefähr 20 Kilometer entfernt. Das Große Bruch, ein ehemaliges Niedermoor und heutiges Naturschutzgebiet mit einer Länge von 50 Kilometern und einer Breite von 5 Kilometern verbindet die Ortsteile Wulferstedt, Neuwegersleben und Gunsleben durch zahlreiche Gräben sowie Acker- , Weide - und Wiesenflächen. Gut zu erreichen sind dabei die Orte Hamersleben und Neuwegersleben, die direkt an der Bundesstraße 245 liegen. Der Ortsteil Gunsleben liegt ungefähr 5 Kilometer weiter westlich an der parallel verlaufenden Landesstraße nach Halberstadt. Der nächste Bahnhof befindet sich im ca. 10 Kilometer entfernten Oschersleben mit direkter Anbindung nach Magdeburg oder Halberstadt. Alle vier Ortsteile befinden sich an der Südroute der Straße der Romanik.

 

Herrenhaus Gunsleben St. Pankratius Hamersleben Telegrafenstation Neuwegersleben Bockwindmühle Wulferstedt

 

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Das Dorf Gunsleben ist der kleinste Ortsteil und geschichtlich geprägt durch das im Jahre 1774 im ländlichen Barockstil erbaute Herrenhaus. Dieses Herrenhaus beschreibt eine sehr wechselvolle Geschichte, die mit dem Namen „derer von Asseburg“ in Verbindung zu bringen ist. Zum Anwesen gehört eine historische Parkanlage, die auch heute noch für Festlichkeiten genutzt wird.

Zu einer weiteren Besonderheit im Ort gehört die im Jahre 1141 im barocken Stil erbaute evangelische Dorfkirche. Das Gotteshaus verfügt über eine ganz besondere Orgel, die einst im Jahre 1700 von Mätthäus Hartmann als einmalige Orgel mit zwölf Stimmen für die Schlosskirche Neindorf erbaut wurde und später in die Gunslebener Kirche umgesetzt wurde. Dieses Musikinstrument gehört heute zu den interessantesten Orgeln in der Börde.

Prägend für den Ortsteil Gunsleben ist eine überaus interessante Eisenbahngeschichte, denn die einstige Strecke Oschersleben – Neuwegersleben – Gunsleben war ursprünglich Teilstück der 1843 als zweigleisige Hauptbahn eröffnete Eisenbahnverbindung Oschersleben – Wolfenbüttel –Braunschweig. Damit gehörte sie zu den ältesten Eisenbahnlinien Deutschlands. Die Einstellung des Bahnverkehrs erfolgte nach 149 jähriger Betriebszeit am 30. Mai 1992.

Dorfkirche Gunsleben Parkanlage am Herrenhaus Gunsleben Gunslebener Eiche
Gedenkstein zur 900-Jahr-Feier von Gunsleben Dorfgemeinschaftshaus Gunsleben Gunslebener Kirche von hinten
Herzspiel Hamersleben evangelische Kirche St. Petri Hamersleben Pfarrgarten Hamersleben
Eingangsbereich Kirche St. Pankratius Hamersleben Weltkriegsopfer-Denkmal Hamersleben Kirche St. Petri Hamersleben

 

Der Ortsteil Hamersleben wurde im Jahre 1021 erstmals urkundlich erwähnt und bietet allen Kunstliebhabern einen ganz besonderen Leckerbissen. Die Stiftskirche „St. Pankratius“, gelegen an der Straße der Romanik, lockt jährlich tausende Besucher in den Ort. Der typische barocke Hochaltar, die mächtige Orgel sowie die zwölf Apostelfiguren sind nur einige wenige wertvolle Ausstattungsstücke im Inneren der Kirche. Ebenso sehenswert ist die evangelisch lutherische Kirche „St. Petri“, die von 1900 bis 1902 erbaut wurde und sich direkt südlich neben der Stiftskirche „St. Pankratius“ befindet. Besucher aus Richtung Neuwegersleben kommend, erkennen schon von weitem die Türme der beiden nebeneinander stehenden Kirchen als besonderen Blickfang.

Neben der damaligen Brot- und Nährzwiebackfabrik sowie einer späteren Spezialmaschinenfabrik, war Hamersleben auch vom einstigen Braunkohlenabbau geprägt. Der nordöstlich gelegene See Herzspiel, der heute in seiner Idylle zu einem Spaziergang einlädt, entstand aus den eingestürzten Schächten der ehemaligen Grube Vereinigte Friederike.

 

Der Ortsteil Neuwegersleben wurde im Jahre 1112 erstmals urkundlich erwähnt und war über viele Jahre hinweg, ebenso wie der Ortsteil Gunsleben, eine Station der Bahnstrecke Oschersleben-Jerxheim.

Eine besondere Sehenswürdigkeit für alle Besucher ist die Station Nr. 18 der einstigen Königlich-Preußischen optischen Telegrafenlinie Berlin-Koblenz. Hier wurden in der Zeit von 1832 bis 1849 über 62 Stationen und fast 600 Kilometer hinweg militärische Nachrichten gesendet. Mittels sechs beweglichen Flügeln auf dem Dach einer jeden Station konnten mit einer Stellanlage im Gebäude und speziellen Fernrohren insgesamt 4095 verschiedene Zeichen gesendet werden. Die komplette Linie wurde mit Beginn der elektromagnetischen Telegrafie abgelöst. Das Gebäude in Neuwegersleben wurde im Jahre 2001 nach grundhafter und originalgetreuer Restauration für die Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Während in der oberen Etage der Signalmast mit seinen sechs Hebeln zum telegrafieren einlädt, weist eine Ausstellung im Erdgeschoss auf die Geschichte der Linie mit weitere Standorten sowie Telegrafenlinien anderer Länder hin.

Der zum Ortsteil Neuwegersleben gehörende Ort Neudamm weist mit dem noch heute erhaltenen alten Fährhaus auf eine ganz besondere Geschichte hin: Nur eine Fähre bei Neuwegersleben führte einst über das „Große Bruch“. Im Jahre 1130 erschlug Friedrich, der Pfalzgraf von Sommerschenburg den alten Fährmann, der ihn mit seiner zerbrechlichen Fähre bei einem furchtbaren Gewitter nicht über den Bruchsee fahren wollte. Aus Reue für diese Tat ließ Bischof Rudolf von Halberstadt einen Damm erbauen und Neudamm entstand. An der Giebelwand des Fährhauses ist neben einem fein in Stein gehauenen Wappen des Erbauers ein kleiner Stein – genannt Hexenstein- eingefügt, der eine geheimnisvolle Inschrift aufweist.

das Fährhaus in Neudamm der Große Graben Richtung Gunsleben Gedenkstein zur 900-Jahr-Feier von Neuwegersleben
evangelische Kirche Neuwegersleben Hinweisschild zur Telegrafenstation Neuwegersleben Stationsraum Telegrafenstation Neuwegersleben
Dorfgemeinschaftshaus Zum Schwarzen Adler Wulferstedt Wulferstedter Eiche Wulferstedt Dorfmitte
Wulferstedter Klassenzimmer in der Heimatstube Fachwerklehrpfad Fachwerklehrpfad

Der Ortsteil Wulferstedt liegt im östlichen Teil des Großen Bruchs und wurde im Jahre 967  erstmals urkundlich erwähnt. Mit seinen zahlreichen Fachwerkhäusern, Bauernhöfen und holprigen Pflastersteinen erinnert das Dorf an eine wechselvolle Geschichte und prägt bis heute ihren dorftypischen Charakter. Durch mehrere Brände entstanden komplett neue Straßenzüge, die heute einen wichtigen Fachwerklehrpfad mit zahlreichen Informationen und Merkmalen darstellen.

Die evangelische Kirche St. Martini zu Wulferstedt wurde 1786/1787 nach Zerstörung neu erbaut und erhielt in diesem Rahmen ihre alte Orgel wieder, die später repariert wurde. Heute lädt das Gotteshaus neben den üblichen Gottesdiensten auch zu weiteren Veranstaltungen, wie beispielsweise Chorkonzerte oder das jährliche Weihnachtskonzert des Oscherslebener Blasorchesters ein. Gern wird dabei für Veranstaltungen auch der angrenzende Pfarrgarten genutzt.

Prägend für den Ortsteil Wulferstedt und von weitem zu erkennen, sind die noch erhaltenen Bockwindmühlen.  Die Mühle im südöstlichen Teil des Dorfes wurde im Jahre 1820 erbaut und nach Verfall Ende 1990 und in den Jahren darauf nach und nach restauriert. Sie befindet sich heute in privater Hand.

Die ehemals Breitmeyersche Bockwindmühle im südwestlichen Teil der Ortslage wurde 1808 erbaut und ebenso wie die andere Mühle Mitte der 1990 Jahre nach starkem Verfall wieder restauriert.  Nach einem Brand, ausgelöst durch einen Orkan im Oktober 2002 wurde das technische Denkmal zerstört. Ab 2003 konnte die Mühle durch die Ruine der ehemaligen Bockwindmühle Lauenroth aus Dreileben vollständig wieder aufgebaut und im Laufe der Jahre mehr und mehr ausgestattet werden. Heute wird das technische Denkmal vom den Mitgliedern des Fördervereines Bockwindmühle betreut und insbesondere am Deutschen Mühlentag sowie für individuelle Besichtigungen geöffnet.

Als überaus sehenswert empfiehlt sich die Wulferstedter Heimatstube im Dorfgemeinschaftshaus Schwarzer Adler, die neben einer beträchtlichen Ansammlung alter Fotos und Dokumenten einen tiefen Blick in die Geschichte von Wulferstedt erlaubt. In mehreren Räumen finden Besucher alte Erinnerungsstücke in Form von Hausrat, Möbeln, Handwerkszeug, Trachten und vieles mehr.

 

Wirtschaft und Infrastruktur

In der Gemeinde Am Großen Bruch leben derzeitig knapp 2200 Einwohner. Die Infrastruktur in den einzelnen Dörfern ist sehr unterschiedlich, wobei der größte Ortsteil Hamersleben als Grundschulstandort dominiert. In Hamersleben gibt es außerdem eine Kindertagestätte, eine Sparkasse, Apotheke, eine Zahnarzt-, Physiotherapie- sowie Tierarztpraxis, ein Optiker, eine Fußpflegeeinrichtung, zwei Friseure und eine Änderungsschneiderei. Neben mehreren Versorgungseinrichtungen sowie zwei Gaststätten im Ort verfügt Hamersleben über einen Elektroinstallationsbetrieb sowie eine Agrargenossenschaft mit einer vollautomatischen Melkanlage. In Hamersleben befindet sich eine Außenstelle der Verbandsgemeinde Westliche Börde mit den Bürgerämtern Einwohnermeldeamt, Standesamt, Liegenschaften sowie Wohnungswesen.

In Gunsleben, Neuwegersleben und Wulferstedt findet die Versorgung vorrangig über Händlerfahrzeuge statt, wobei im Ortsteil Gunsleben auch ein Friseur, eine Schmiedewerkstatt sowie ein Landwirtschaftsbetrieb zu finden ist.

In Neuwegersleben gibt es zudem ein Küchenstudio, ein Sägewerk, eine KFZ-Werkstatt, ein KFZ-Sachverständigenbetrieb sowie eine Landgaststätte.

Der Ortsteil Wulferstedt verfügt über eine Kindertagesstätte, eine Physiotherapie- und Tierarztpraxis, ein Bestattungsinstitut, eine Gaststätte mit Saalbetrieb sowie mehrere Handwerksbetriebe in den Bereichen Tischlerei, Fliesenlegung, Dachdeckerei, Zaunbau, Klemptnerei und KFZ-Werkstatt. Weiterhin prägend für Wulferstedt sind mehrere landwirtschaftliche Betriebe sowie Direktvermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

Weideflächen im Großen Bruch Spätsommer im Großen Bruch Bruchwanderung

 

 

Bürgermeisterin: Eva Stroka